Poetry Slam der UtopiaJetzt! - Katholiken sind komisch.
Der Bundesverband der Katholischen Jungen Gemeinde hat zur UtopiaJetzt! nach Würzburg gerufen, einem überdimensionierten Zeltlager für Dirndlträgerinnen und Kinnbartflechter, "Keine Feier ohne Speyer!"-T-Shirt-Träger und irgendwie braucht man als guter Katholik anscheinend eine Mütze. Twilight Zone, und Rauchverbot auf dem ganzen Freigelände. Es ist 18.30 Uhr, vor der riesigen Bühne mit der durchaus sehr guten Rockband sitzen bewegungslos etwa 100 Katholiken auf dem Boden. Die Bierstände öffnen um 19 Uhr - aber nur für jene, die als Altersnachweis ein orangefarbenes Bierband ums Handgelenk tragen. 19 Uhr, da sollte der Slam beginnen, da aber aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen 21.45 Uhr im Programmheft steht, einigt man sich spontan auf 20 Uhr. Backstage darf man rauchen, und mit dem Essen haben die Organisatoren wahrlich nicht gegeizt.
19.30 Uhr. Etwa 150 Katholiken stehen vor der riesigen Bühne mit der durchaus sehr guten Rockband und schwenken rythmisch ihre Arme von einer Seite zur anderen. Geländerundgang. Es ist unglaublich sauber. Kleine emsige Helfer heben jeden noch so kleinen Schnipsel Müll sofort vom Boden auf. Die Dixi-Toiletten tragen als Werbeaufschrift "Ihr Geschäft ist unser täglich Brot", Broschüren der BzGA über Homosexualität sind strategisch günstig auf dem ganzen Gelände verteilt, die offizielle Raucherecke direkt am Mainufer kommt auch ohne stigmatisierende gelbe Begrenzungslinie aus. Zwischenzeitlich haben sich alle Slammer eingefunden: Ich hatte Frau Wortwahl und Martin Geier mitgeschleppt, Benny Reichstein ist eingetrudelt und Felix Brenner samt Clara Nielsen, der Workshopteilnehmer Konrad Wangard hat sich vorgestellt, und Almuth Nitsch von Kerry aus Hessen sowie der "very special guest" Heiner Lange aus Landshut hatten vermutlich schon seit letzter Woche das Buffet im Backstage-Zelt zerpflückt. Es ist 19.50 Uhr, und die 150 Katholiken vor der riesigen Bühne mit der durchaus sehr guten Rockband schwenken nicht mehr nur rythmisch ihre Arme von einer Seite zur anderen, sondern bewegen auch ihre Oberkörper.
Matratzen ohne Ende in der "Lounge 6", dem Slam-Zelt, überhaupt hängen auf dem ganzen Gelände Din-A3-Plakate mit Aufschriften wie "stressen verboten" und "chillen erwünscht". Die Band, oder vielleicht mittlerweile eine andere, schallt in Richtung unseres Zeltes. Erinnerungen an den LMU-Slam mit Trommel-Untermalung werden wach. Aber wir waren lauter. Yeah. Und siehe, Katholiken können auch richtig feiern. Selten außerhalb des Nürnberger K4 ein so enthusiastisches Publikum erlebt. Heiner rockt wie erwartet. Vier Jungs, vier Mädels, der Geschlechterkampf liegt nahe, und so tritt dann Almuth gegen Felix an, Benny gegen mich, Frau Wortwahl gegen Konrad und Martin Geier gegen Clara. Bezeichnend, daß jeweils der zweite weiterkommt, wobei Frau Wortwahl das Pech hatte, daß der Rookie Konrad einen monströsen Fanclub dabeihatte, sonst hätte das Ergebnis dieser Paarung wohl anders ausgesehen. Somit ein geschlechtstechnisch ausgewogenes Halbfinale, Clara setzt sich gegen Konrad durch, und ich schlage unglaublicherweise den Benjamin-Blümchen-Text von Felix. Frauen-Finale, und dann kann ich mir als Fahrer nichtmal ein Siegerbier gönnen. Fies, das. Aber immerhin hatte unser Moderator Nils Rusche sich auf der Bühne öffentlich entschuldigt, mich auf den Plakaten als Fürther angekündigt zu haben.
Es ist Nacht geworden in Würzburg. Die Rockband auf der riesigen Bühne ist irgendeiner chilligen Combo gewichen, "Gefundene Paare treffen sich am Schokobrunnen", die Brücke wird sensationell beleuchtet, fast wirft man mir eine romantische Ader vor, weil ich ein paar stille Minuten am Mainufer genieße ("Ach, komm... Ein Fluß, Reflektionen, was machst du da?"). Ich kapituliere, schleppe meine überdehnte Sehne (ja, mittags zu doof zum Treppenlaufen gewesen) zwecks Weltverbesserer-Limonade-Nachschub-Besorgung mit ins Backstage-Zelt, nur um kurz später festzustellen, daß der Festival-Ausgang geschlossen ist. Gefangen neben dem Karaoke-Zelt, in dem offensichtlich eine riesige Party ("Ein Proooosit!") steigt. Panik macht sich breit, so fein der Abend insgesamt war, so wenig möchte ich die Nacht dort verbringen, irgendwie dann doch zu viele glaubens- und langsam auch bierberauschte Menschen, endlich, ein einziger Ausgang wurde offengelassen, ich verlasse das Gelände, der Abend ist lau, die Autobahn leer, aber "Kumba Yo!" ist dann doch leider auf keiner meiner Auto-CDs.
19.30 Uhr. Etwa 150 Katholiken stehen vor der riesigen Bühne mit der durchaus sehr guten Rockband und schwenken rythmisch ihre Arme von einer Seite zur anderen. Geländerundgang. Es ist unglaublich sauber. Kleine emsige Helfer heben jeden noch so kleinen Schnipsel Müll sofort vom Boden auf. Die Dixi-Toiletten tragen als Werbeaufschrift "Ihr Geschäft ist unser täglich Brot", Broschüren der BzGA über Homosexualität sind strategisch günstig auf dem ganzen Gelände verteilt, die offizielle Raucherecke direkt am Mainufer kommt auch ohne stigmatisierende gelbe Begrenzungslinie aus. Zwischenzeitlich haben sich alle Slammer eingefunden: Ich hatte Frau Wortwahl und Martin Geier mitgeschleppt, Benny Reichstein ist eingetrudelt und Felix Brenner samt Clara Nielsen, der Workshopteilnehmer Konrad Wangard hat sich vorgestellt, und Almuth Nitsch von Kerry aus Hessen sowie der "very special guest" Heiner Lange aus Landshut hatten vermutlich schon seit letzter Woche das Buffet im Backstage-Zelt zerpflückt. Es ist 19.50 Uhr, und die 150 Katholiken vor der riesigen Bühne mit der durchaus sehr guten Rockband schwenken nicht mehr nur rythmisch ihre Arme von einer Seite zur anderen, sondern bewegen auch ihre Oberkörper.
Matratzen ohne Ende in der "Lounge 6", dem Slam-Zelt, überhaupt hängen auf dem ganzen Gelände Din-A3-Plakate mit Aufschriften wie "stressen verboten" und "chillen erwünscht". Die Band, oder vielleicht mittlerweile eine andere, schallt in Richtung unseres Zeltes. Erinnerungen an den LMU-Slam mit Trommel-Untermalung werden wach. Aber wir waren lauter. Yeah. Und siehe, Katholiken können auch richtig feiern. Selten außerhalb des Nürnberger K4 ein so enthusiastisches Publikum erlebt. Heiner rockt wie erwartet. Vier Jungs, vier Mädels, der Geschlechterkampf liegt nahe, und so tritt dann Almuth gegen Felix an, Benny gegen mich, Frau Wortwahl gegen Konrad und Martin Geier gegen Clara. Bezeichnend, daß jeweils der zweite weiterkommt, wobei Frau Wortwahl das Pech hatte, daß der Rookie Konrad einen monströsen Fanclub dabeihatte, sonst hätte das Ergebnis dieser Paarung wohl anders ausgesehen. Somit ein geschlechtstechnisch ausgewogenes Halbfinale, Clara setzt sich gegen Konrad durch, und ich schlage unglaublicherweise den Benjamin-Blümchen-Text von Felix. Frauen-Finale, und dann kann ich mir als Fahrer nichtmal ein Siegerbier gönnen. Fies, das. Aber immerhin hatte unser Moderator Nils Rusche sich auf der Bühne öffentlich entschuldigt, mich auf den Plakaten als Fürther angekündigt zu haben.
Es ist Nacht geworden in Würzburg. Die Rockband auf der riesigen Bühne ist irgendeiner chilligen Combo gewichen, "Gefundene Paare treffen sich am Schokobrunnen", die Brücke wird sensationell beleuchtet, fast wirft man mir eine romantische Ader vor, weil ich ein paar stille Minuten am Mainufer genieße ("Ach, komm... Ein Fluß, Reflektionen, was machst du da?"). Ich kapituliere, schleppe meine überdehnte Sehne (ja, mittags zu doof zum Treppenlaufen gewesen) zwecks Weltverbesserer-Limonade-Nachschub-Besorgung mit ins Backstage-Zelt, nur um kurz später festzustellen, daß der Festival-Ausgang geschlossen ist. Gefangen neben dem Karaoke-Zelt, in dem offensichtlich eine riesige Party ("Ein Proooosit!") steigt. Panik macht sich breit, so fein der Abend insgesamt war, so wenig möchte ich die Nacht dort verbringen, irgendwie dann doch zu viele glaubens- und langsam auch bierberauschte Menschen, endlich, ein einziger Ausgang wurde offengelassen, ich verlasse das Gelände, der Abend ist lau, die Autobahn leer, aber "Kumba Yo!" ist dann doch leider auf keiner meiner Auto-CDs.
MdBlog - 3. Mai, 16:52
